Salon Z mit Prof. Dr. Martin Selmayr.

17. Februar 2020

Zwei Wochen nach dem Brexit – Wie geht’s weiter mit Europa?

Seit etwas mehr als 100 Tagen ist Prof. Dr. Martin Selmayr Vertreter der Europäischen Kommission in Österreich. Als ehemaliger Kabinettchef Jean-Claude Junckers und Generalsekretär der Europäischen Kommission, war er maßgeblich an den Geschehnissen rund um den Austritt Großbritanniens aus der EU beteiligt.

Im ersten Salon Z des Jahres gab er spannende Einblicke in die Hintergründe der Brexit-Verhandlungen sowie seine persönliche Einschätzung zur Zukunft der Europäischen Union. Unter den Gästen waren unter anderem Finanzminister aD/FMA Vorstand Edi Müller, Austria Email Geschäftsführer Martin Hagleitner, Kommunalkredit CEO Alois Steinbichler, Donauchemie CEO James Schober, Bank99 CEO Martin Thomas, APA Geschäftsführerin Karin Thiller und ca. 120 weitere Gäste aus Wirtschaft, Politik und Medien.

Was sind die neuen Herausforderungen?

Seit 01. Februar 2020 ist Großbritannien nicht mehr Mitglied der Europäischen Union und die Brexit-Saga, die mit dem Referendum am 23. Juni 2016 ihren Anfang nahm, hat ein Ende. In der Übergangsphase geht es laut Prof. Selmayr insbesondere um folgende Herausforderungen:

  • Europa muss das Verhältnis zur Großbritannien neu regeln sowie einen Weg finden, stärker, geeinter und demokratischer voranzuschreiten.
  • Europa muss sich in einer Zeit, in der die Weltmächte miteinander um Einfluss ringen, geopolitisch neu definieren.
  • Europa muss sich auf seine Stärken beziehen, im Inneren einigen und die großen Zukunftsfragen Digitalisierung und Klimawandel gemeinsam lösen.

Was können wir aus dem Brexit lernen?

Der Brexit ist ein Wake-Up-Call für Europa. Folgende Rückschlüsse können aus den letzten Monaten rund um das Brexit-Referendum gezogen werden:

  • Die westliche Demokratie und die tragenden Mechanismen dahinter werden immer undurchsichtiger.
  • Wir verlassen uns auf Umfragen und traditionelle Medien – der wirkliche Meinungskampf spielt sich aber woanders ab.
  • Daten sind der Schlüssel dazu, wie man mit Botschaften gezielt seine Wählerschaft erreichen kann.

Für Prof. Selmayr ist auch klar, dass Europa erwachsen werden und auf die eigenen Stärken setzen muss. Europa braucht Einigkeit, Selbstvertrauen und einen Grundkonsens, dass die EU ein wichtiges und demokratisches Friedenprojekt ist. Und vor allem braucht Europa etwas mehr Mut in die Zukunft. „Wir müssen Europa stets kritisieren, damit es besser wird. Aber denken wir daran, es kann auch ganz schnell verloren gehen und dann stehen wir vor dem Scherbenhaufen da. „United in diversity, das muss unser Leitsatz sein.“, so Selmayr.